Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2009/2010


Alle Veranstaltungen finden im Raum 027, Grabengasse 3-5 statt.

Hauptseminar


Ludovicus Holberg, Nili Klimii iter subterraneum

2st., Di 16.15-17.45        Beginn: 13.X.        Prof. Wiegand

Im Jahr 1741 erschien mit fingiertem Druckort einer der interessantesten lateinischen ″Romane″ überhaupt, Nils Klims iter subterraneum. In einer fantastischen Unterweltreise lernt der fiktive Autor Gegenwelten gegen das zeitgenössische Europa kennen und «mischt in ihnen kräftig mit». In unserem Seminar werden wir diesen Roman und seinen Autor kennen lernen, ausgewählte Stücke lesen und interpretieren und literarische Traditionslinien bis zur «Satyra Menippea» der Antike und ihre neulateinische Verarbeitung eruieren. Auch die Zeitgenossenschaft von «Nils Klims unterirdischer Reise» wird uns natürlich interessieren, so etwa die Bezüge zu Jonathan Swifts «Gullivers Reisen». Erörtert wird die Frage, ob sich der Roman (in Auszügen) für eine schulische Lektüre eignet.
Die Texte werden den Teilnehmern zur Verfügung gestellt.





Seminar


Sigebert von Gembloux

2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 13.X.            Dr.Licht

Der Mönch Sigebert (†1112) aus dem Kloster Gembloux (bei Namur, Belgien) ist einer der Universalschriftsteller des Mittelalters: Chronistik, Literaturgeschichte, Biographie, Klostergeschichte, Komputistik, Publizistik, Lehrdichtung, Städtelob und Versepik gehören zu seinem Repertoire. Er verfügte von Haus aus über eindrucksvolle Kenntnisse der zeitgenössischen und älteren Literatur und war ein gewandter Stilist. Sein Werk und Wirken ist an Hieronymus orientiert; wie dieser nimmt er die Geisteshaltung einer humanitas Christiana ein. Im Seminar soll das Gesamtwerk Sigeberts studiert werden; daneben gilt es, Genera der mittellateinischen Literatur und die ottonisch-salische Literaturgeschichte kennenzulernen. Zur Einführung: T.L., Untersuchungen zum biographischen Werk Sigeberts von Gembloux, Heidelberg 2005.










Übung


Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45            Beginn: 14.X.            Dr.Licht
Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.








Paläographie IV: «Gotische» und «humanistische» Schriftarten

2st., Mi 11.15-12.45        Beginn: 14.X.            Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV.Jahrhundert. Mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse mögen sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.








Lektüre


Lectura Vulgatae: Schöpfung und Sündenfall (Gn 1-4) in der Auslegung lateinischer Väter

2st., Mo 11.15-12.45        Beginn: 12.X.            Dr.Köhler

Die Wirkung der ersten Kapitel der Bibel in lateinischer Sprache auf die abendländische Kultur- und Geistesgeschichte kann gar nicht überschätzt werden. In dieser Übung soll zunächst der biblische Text gründlich gelesen werden, dann werden wichtige lateinische Kommentarwerke (Ambrosius, Augustinus) in Auswahl hinzugezogen. Besondere Beachtung kommt dabei dem Menschenbild und der Frage nach dem Bösen zu.









Jacobus de Voragine, Legenda aurea

2st., Di 9.15-10.45        Beginn:13.X.                 Dr.Licht

 Die Popularität der Legenda aurea ist jener vergleichbar, die später Grimms Hausmärchen erlangt haben: Kunst und Literatur sind von dieser hagiographischen Sammlung vielfach geprägt. Ihr Autor Jacobus de Voragine (†1298), Dominikaner und Erzbischof von Genua, hat 182 Legenden nacherzählt und nach dem Kirchenjahr geordnet. Die Sprache bereitet kaum Schwierigkeiten, was den Erfolg der Sammlung – mehr als 1000 erhaltene Handschriften – befördert haben wird; die Legenda aurea eignet sich als Lektüre zum Einstieg in die mittellateinische Literatur. Auszüge aus dem Werk werden im Plenum gelesen und übersetzt; Teilnehmer aus anderen Disziplinen sind herzlich willkommen. Zur Kontaktaufnahme: Jacobus de Voragine, Legenda aurea, ed.R.Nickel, Stuttgart 1988 (=RUB 8464).






Erstlektüre für Historiker: Liudprand von Cremona

2st., Mo 17.15-18.45        Beginn: 12.X.            Dr.Otero

Liudprand von Cremona (†972) entstammt einer angesehenen langobardischen Familie und erhielt an der Hofschule in Pavia seine literarische Ausbildung. Von Berengar von Ivrea wurde er als Gesandter nach Konstantinopel geschickt, wo er griechisch lernte. Nachdem er in Ungnade bei Berengar gefallen war, wurde er von Otto I. unterstützt, der Liudprand zum Bischof von Cremona machte und ihm weitere Gesandtschaften übertrug. Liudprand hat drei historische Werke geschrieben, die Antapodosis und die Historia Ottonis, in denen er die Taten des Kaisers Otto schildert, außerdem die Relatio de legatione Constantinopolitana, in der er die Aufenthalte am Hof des Nikeforos Fokas beschreibt. Ziel der Veranstaltung ist das gemeinsame Lesen und Übersetzen der Texte. Kritische Ausgabe: Die Werke Liduprands von Cremona, ed.J.Becker, Hannover und Leipzig, 1915 (=MGH. Scr.rer.Germ.41).


Exkursion/Blockseminar


Fragmenta Stuttgartensia

Blockveranst.        Vorbespr.: 15.X. 11.15 Uhr        Dr.Licht

Etwa 50 unpublizierte Fragmente aus Einbänden der Württembergischen Landesbibliothek sollen in einem gemeinsamen Projekt beschrieben und veröffentlicht werden. Für die Teilnehmer ergibt sich die Möglichkeit, paläographisch-kodikologische Kenntnisse an Originalen des VIII.-XVI.Jahrhunderts zu vertiefen und wissenschaftlich zu publizieren.







Colloquium Neolatinum


Jacobus Pontanus, Progymnasmata latinitatis sive dialogi

2st., Mi 16.15-17.45    Beginn:14.X. Dr.Schouwink/Prof.Wiegand

Omnium eruditorum linguam 'francam' usque ad saeculum XIXum latinam fuisse satis constat. Ut loquendi facultati foveant, nonnulli doctissimi ad usum scholarum dialogos scripserunt. Inter quos Jacobus Pontanus S.J. saeculi XVIIi grammaticus celeberrimus extitit, qui Progymnasmatum voluminibus quattuor per ducentos fere annos alumnis fundamenta latinitatis vivae posuit. Rerum et auctorum Romanorum peritissimus etiam scientiam poeticam et quaestiones «de optimo genere imperii» intexere quivit, Erasmi irreverentiam, non autem eius subtilitatem evitans. Huius colloquii Neolatini sodales multos iam annos latinitati vivae addicti libenter advenas et hospites recipient. Textus pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt. Sodales invitantur non solum ad lecturam, sed etiam ad oratiunculam de qualicumque materia latine proferendam.








Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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