Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Sommersemester 2015


Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5) statt. Ausgenommen sind die Vorlesung, für die der Hörsaal 04 der Neuen Universität vorgesehen ist, und der Sommerkurs Paläographie, der im Übungsraum 1 des Historischen Seminars abgehalten wird.


Vorlesung (auch grundwissenschaftlich)


Kulturgeschichte der abendländischen Handschrift im Hoch- und Spätmittelalter
2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 14.IV.       PD Dr.Licht

Aus den Handschriften heraus die Kultur- und Literaturgeschichte des lateinischen Westens zu erhellen, ist Ziel dieser Vorlesung, die inhaltlich und methodisch an die im letzten Sommersemester angebotene, von der Spätantike ins Frühmittelalter reichende anschließt; ein Neueinstieg ist ohne Probleme möglich. Der Zeitraum reicht von den ottonisch-frühsalischen Prachthandschriften und Autographen bis in die buchbegeisterte Zeit Kaiser Maximilians I. (†1519) und schließt den Umbruch zur Papierhandschrift und Jahrzehnte der Konkurrenz zum Buchdruck ein. Dabei kommen herausragende Zeugnisse der Schriftkultur zu Wort («Egbert-Codex», «Berthold-Missale», «Codex Buranus», «Vergilius Ambrosianus», Wenzels Prachthandschrift der Goldenen Bulle usw.), aber auch wenig oder gar nicht beachtete Handschriften, die den Zugang zu den Klöstern, Schulen und Universitäten des lateinischen Westens öffnen. Die Vorlesung versteht sich auch als Einführung in die Paläographie dieser produktiven und schriftgeschichtlich folgenschweren Epoche.


Seminar / Lektüre


Frühes Humanistendrama in Deutschland

2st., Di 17.00-18.30        Beginn: 14.IV.        Prof.Wiegand


Unter den Gattungen der humanistischen Literatur spielt das Drama eine wichtige Rolle. Nach der Wiederentdeckung des Plautus in Italien wurden dort auch eigenständige humanistische Komödien und Tragödien geschaffen. Im deutschen Kulturraum dauerte es relativ lange (um etwa 1480), bis eigenständige Dramen in der Nachfolge der römischen Komödiendichter und in Auseinandersetzung mit dem lateinischen Drama gedichtet wurden. Dabei spielt Heidelberg eine prominente Rolle, sind hier doch mit Jakob Wimpfelings Stylpho und Johannes Reuchlins Henno (eigentlich Scaenica Progymnasmata) zwei der wichtigsten frühen Humanistendramen entstanden bzw. uraufgeführt worden. Dazu kommt in der Frühzeit etwa noch der Codrus von Johannes Kerckmeister und etwas später De optimo studio iuvenum von Heinrich Bebel. Gemeinsames Sujet dieses frühen Humanistendramas ist die Bedeutung der studia humaniora für das Individuum wie für das Gemeinwesen. Mit den genannten und anderen Stücken wird das 'moderne' Drama in Deutschland erst geschaffen. Im Seminar werden wir die wichtigsten frühen Humanistendramen lesen und interpretieren. Die Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt. Untersucht werden soll auch das Verhältnis der frühen Humanistendramen zu den humanistischen«Schülergesprächen».



Proseminar / Lektüre


Gregor von Tours, Historiae Francorum

2st., Di 9.15-10.45        Beginn: 14.IV.        Wallenwein  M.A.

Gregor von Tours (†594) gehört mit seinen 10 Büchern Frankengeschichten zu den meistgelesenen historiographischen Autoren des Mittelalters. Der Bischof berichtet über zahlreiche Geschehnisse aus 'erster Hand'. Sprachgeschichtlich ist sein Werk von außerordentlicher Bedeutung, denn er selbst reflektiert über Sprache und Ausdruck und bekennt sich zu einem der Volkssprache angenäherten Latein. In der Veranstaltung sollen ein zentrales Werk der frühmittelalterlichen Geschichtsschreibung vorgestellt und der Umgang mit mittellateinischer Literatur geübt werden; im Plenum werden ausgewählte Passagen der Historiae Francorum übersetzt, sprachliche Besonderheiten des Autors betrachtet und die Literaturgeschichte der Merowingerzeit behandelt. Im begleitenden Tutorium werden Nachschlagewerke und Hilfsmittel vorgestellt und einschlägige Studien zur mittellateinischen Sprachgeschichte diskutiert. Textausgabe: Gregor v.Tours, Libri historiarum X, ed.B.Krusch (=MGH SS rer. Merov. I,1), Hannover 1951. Zur Einführung: W.Berschin, Biographie und Epochenstil im lateinischen Mittelalter t.1, Stuttgart 1986, p.288-303.

Tutorium zum Proseminar
2st., Mo 14.15-15.45        Beginn: 20.IV.        Walther M.A.


Lektüre


EPG II / Lectura Vulgatae: Hiob mit Erläuterungen des Hieronymusschülers Philippus
2st., Mo 11.15-12.45        Beginn: 13.IV.        Dr.Köhler

Der gerechte und untadelige Hiob wird in Unglück und Krankheit gestürzt, um seinen Glauben zu prüfen. In der Anfangsszene im Himmel, Vorbild für den Prolog zu Goethes Faust, gibt Gott Satan freie Hand gegen Hiob unter der Bedingung, daß er ihn am Leben läßt. Vom Unglück gezeichnet hadert Hiob mit Gott und verwünscht den Tag seiner Geburt. Drei Freunde suchen Hiob im Elend auf und wollen ihn trösten, forschen aber auch nach einer verborgenen Schuld. Hiob behauptet seine Gerechtigkeit und wendet sich mit Klagen gegen Gott. Erst ein vierter Freund stellt die Frage nach dem Sinn des Leidens anstatt nach seiner Ursache und kann Hiob davon überzeugen, daß Hiobs Schuld in seiner Selbstgerechtigkeit besteht. Weil er diese bereut, wird er aus seinem Elend erlöst und belohnt. – Ausgewählte Textpassagen werden als Kopien zur Verfügung gestellt. Die Beschäftigung mit dem Kommentar des Philippus stellt eine Herausforderung dar, denn bisher existiert keine gedruckte Ausgabe. Wir werden mit Kopien einer Handschrift arbeiten, deren Schrift (Halbunziale) gut zu lesen ist. Dabei wird uns Anna Maria Vogel Hilfestellung leisten, die aktuell über den Kommentar arbeitet.



Erstlektüre für Historiker: Petrarca, Briefe an deutsche Zeitgenossen
2st., Mo 16.15-17.45        Beginn: 13.IV.        Dr.Otero Pereira

Der große Italienische Humanist Francesco Petrarca (†1374) hat uns in seiner Korrespondenz ein einzigartiges Zeugnis für seine Beziehung mit dem Reich und seinen Eliten hinterlassen. Petrarcas Briefwechsel mit deutschen Zeitgenossen berichtet über Reisen nach Aachen und Köln im Jahre 1333 sowie nach Basel und an den kaiserlichen Hof in Prag im Jahre 1356. Der Humanist hielt in seinen Briefen Eindrücke des Lebens und der Kultur im spätmittelalterlichen Reich fest, die er auf seinen Reisen sammelte. Zugleich sind die Briefe eine wichtige Quelle zur Politik des XIV.Jahrhunderts. Besonders interessant ist hier der berühmte Briefwechsel zwischen Petrarca und Karl IV., in dem der Kaiser ermuntert wird, das Imperium Romanum wiederherzustellen und Rom zur Hauptstadt zu machen. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger und Studierende mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: P.Piur (ed.), Petrarcas Briefwechsel mit deutschen Zeitgenossen, Berlin 1933.


Übung / Hauptseminar



Paläographie I: Von den spätantiken Majuskelschriften zur karolingischen Minuskel (für Anfänger)
2st., Mi 9.15-10.45       Beginn: 15.IV.        PD Dr.Licht

Die Übung führt in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen spätantiker und frühmittelalterlicher lateinischer Schriften anhand von Kopien aus Tafelwerken ein.

Paläographie III: Von der karolingischen Minuskel zu den gotischen Schriftarten
2st., Mi 11.15-12.45       Beginn: 15.IV.        PD Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schriften vom X. bis XIII. Jahrhundert. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.


Blockveranstaltung


Sommerkurs Paläographie: Lateinische Schrift
9-13 und 14-15.30 Uhr      7.-18.IX.        PD Dr.Licht et al.

Gegenstand des Kurses ist die lateinische Schrift (vom Anfang bis ins XX. Jahrhundert) und die Vermittlung ihrer Grundlagen. Fragen zur Schriftgeschichte werden mit traditionellen und modernen Ansätzen diskutiert. Die Teilnehmer erwerben Datierungs- und Lokalisierungssicherheit und eine Lesekompetenz, die zwei Jahrtausende Schriftlichkeit umfasst. Hauptorganisationsform ist die Übung: Einzelne Schrifttafeln werden gemeinsam gelesen, Ergebnisse im Plenum gesichert und methodische Ansätze samt Forschungsliteratur besprochen. Flankiert wird die Übung durch Veranstaltungen, in denen Sonderthemen der Paläographie und neuere Forschungserträge vorgestellt werden.




Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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