Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2015/16


Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5) statt. Ausnahme ist die Veranstaltung Das Reich der Vandalen (kleiner Übungsraum am Seminar für Klassische Philologie).


Oberseminar


Unedierte Dichtungen des kurpfälzischen Humanismus

2st., Mo 18.30-20.00           Beginn: 12.X.            Prof.Wiegand/PD Licht

Aus den Handschriften der ehemaligen Bibliotheca Palatina und anderen Beständen werden bisher unbeachtete und unpublizierte Dichtungen des XV.-XVII. Jahrhunderts ediert, übersetzt und kommentiert, die eine Verbindung zur frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur der Kurpfalz haben. Neben der editorischen Arbeit bietet sich die Möglichkeit, anhand der Originalüberlieferung die Lesefertigkeit und Paläographie frühneuzeitlicher Schriften zu vertiefen. Handschriftenabbildungen, die Grundlage des Oberseminars sind, werden zur Verfügung gestellt. Interessierte aller Disziplinen, auch Anfänger, seien zur Teilnahme ermuntert.



Das Reich der Vandalen. Zerstörer oder Bewahrer der Romanitas in Nordafrika?
2st., Do 18.00-19.30           Beginn: 15.X.           PD Licht et al.

Die Vandalen, ein aus Mitteleuropa kommender Germanenstamm, der im ersten Drittel des V. Jahrhunderts das römische Nordafrika zu erobern und dort etwa hundert Jahre lang ein (von der etablierten römischen Herrschaft notgedrungen toleriertes) Königreich zu errichten vermochte, lieferten seit dem XVIII. Jahrhundert einen griffigen Namen für sinnlose, blinde Zerstörungswut ('Vandalismus'). Wie wenig dies Klischee zutrifft, davon konnten sich u.a. die Besucher einer großen, reich bestückten Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe (2009/2010) überzeugen. Es gibt auch nicht wenige literarische Zeugnisse (keineswegs nur mit feindseliger Tendenz). Ihnen widmet sich das 'Kirchenväterkolloquium' (aus Angehörigen meist altertumswissenschaftlicher Disziplinen, aber auch Mittellateinern und Theologen) in diesem Semester. Literatur: Das Königreich der Vandalen (Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2009), Mainz-Karlsruhe 2009; K.Vössing, Das Königreich der Vandalen, Darmstadt 2014.


Hauptseminar




Conrad Celtis, Carmina

2st., Mo 17.00-18.30            Beginn: 12.X.           Prof.Wiegand

Konrad Celtis (†1508) wird zurecht als der erste bedeutende Dichter des (lateinischen) deutschen Humanismus angesprochen. Nicht zufällig nannte ihn David Friedrich Strauß den 'deutschen Erzhumanisten.' Sein weitläufiges elegisches und lyrisches Werk (Amores 1502, Odarum libri IV postum 1513) und seine erst im XIX.Jahrhundert unzureichend publizierten Epigramme eröffnen mit sehr originellen Gedichten in der Nachfolge von Ovid und Horaz die neulateinische Dichtung des deutschen Kulturraumes. In dem Seminar wird es darum gehen, die Dichtungen des Celtis in repräsentativer Auswahl kennenzulernen und zu interpretieren; auf seine Auseinandersetzung mit den antiken und italienischen humanistischen Vorbildern wird dabei besonderes Gewicht gelegt. Sollte Zeit bleiben, werden wir uns auch mit dem prosaischen Stadtlob auf Nürnberg (Norimberga 1502) auseinandersetzen. Die Texte werden vom Seminarleiter in Kopie zur Verfügung gestellt. Ausgabe: Conrad Celtis, Oden/Epoden/Jahrhundertlied, ed.E.Schäfer, Tübingen 2008.






Walahfrid Strabo, De imagine Tetrici

2st., Di 11.15-12.45            Beginn: 13.X.           PD Licht

Walahfrid Strabo (†849) gilt als einer der herausragenden Autoren der Karolingerzeit und ist der erste bedeutende lateinische Dichter aus dem deutschen Sprachraum. Bei seinem Dialoggedicht De imagine Tetrici handelt es sich um eine brisante Invektive auf das Reiterstandbild Theoderichs des Großen (†526), welches Karl der Große von Ravenna nach Aachen hat transportieren und vor der Pfalz aufstellen lassen. Im Seminar widmen wir uns der Rekonstruktion des Textes aus der Handschrift, der Übersetzung, Kommentierung und literarischen Einordnung dieses teils dunklen und von den Spannungen am karolingischen Hof unter Ludwig dem Frommen durchzogenen Gedichts. Textgrundlage: Sankt Gallen, Stiftsbibliothek, 869, p.143-164; Ausgabe: E.Dümmler (ed.), MGH. Poetae II, Berlin 1884, p.370-379.


Lektüre



EPG II: Johannes Gerson, Consolatio Theologiae
2st., Mo 11.15-12.45            Beginn: 12.X.          Dr.Köhler

Johannes Gerson (†1429), Professor der Theologie und Kanzler der Universität Paris, war der führende Theologe des Konstanzer Konzils (1414-1418). Er formulierte dessen Beschlüsse und erläuterte sie in zahlreichen Reden. Weil er sich den Herzog Jean von Burgund zum Feind gemacht hatte, konnte er nach dem Konzil zunächst nicht nach Frankreich zurückkehren und zog sich nach Rattenberg am Inn zurück. Seine Isolation erinnerte Gerson an Boethius (†524), den Theoderich der Große inhaftiert hatte, weshalb De consolatione Philosophiae von Boethius für Gerson zum Vorbild für ein eigenes Prosimetrum wurde: einen Dialog, in dem Prosa und Dichtung abwechseln bei der Untersuchung der Frage, was einen Menschen, der an der Gerechtigkeit verzweifeln mußte, noch trösten kann. Dabei kann die Theologie nach Gerson eine Dimension eröffnen, die der Philosophie verschlossen bleibt. Der Text wird in Kopien zur Verfügung gestellt und gelesen. Zur Kontaktaufnahme: Boethius, Trost der Philosophie, ed.K.Büchner Stuttgart 1986 (=Reclams Universalbibliothek 3154).


Erstlektüre für Historiker: Guibert von Nogent, De vita sua sive monodiae
2st., Mo 15.15-16.45           Beginn: 12.X.            Dr.Otero Pereira

Guibert von Nogent (†1124) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter autobiographischer Literatur im 12. Jahrhundert. Der um 1053 in der Nähe von Beauvais geborene Benediktiner bekleidete ab 1104 den Abbatiat des Klosters Nogent, wo er auch schriftstellerisch tätig wurde. Unter seinen Arbeiten ragen zwei Titel heraus: die Gesta Dei per Francos, eine Geschichte des ersten Kreuzzugs, und De vita sua seu monodiarum libri tres, eine Schrift mit der sich Guibert als erster Autor des Mittelalters in die Tradition von Augustinus' Confessiones stellte. Anders als der Werktitel vermuten lässt, gehört nur das erste der drei Bücher der Monodiae zur Gattung der Autobiographie. In ihm schildert Guibert sein Leben von Geburt an. Das zweite Buch beschäftigt sich mit der Geschichte des Klosters Nogent, während das dritte die Geschichte des Bistums Laon bis in Guiberts eigene Zeit hinein erzählt. Durch den detaillierten Einblick und die Unmittelbarkeit seiner Informationen gilt Guibert heute als einer der besten Zeitzeugen für den Übergang vom XI. zum XII. Jahrhundert. Gegenstand der Lektüre wird insbesondere das erste Buch sein. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Guibert de Nogent, Autobiographie, ed. E.R.Labande, Paris, 1981.




Übung/Hauptseminar (auch grundwissenschaftlich)


Historische Geographie: Die Tabula Peutingeriana
2st., Di 9.15-10.45            Beginn:13.X.            Wallenwein M.A.

Die Tabula Peutingeriana, die als Cod.324 in elf Segmenten in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt wird, zählt seit 2007 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Das Original ist vermutlich im IV. Jahrhundert entstanden und über eine im Hochmittelalter angefertigte Abschrift erhalten. Auf 6,75 m Länge und 34 cm Breite zeigt sie das Wegenetz der römischen Spätantike, liefert wertvolle topographische Informationen und Angaben zu Entfernungen zwischen den Orten und informiert über den Verlauf der Handelsrouten. In der Veranstaltung wird dieses zentrale Werk der historischen Geographie vorgestellt, gelesen und interpretiert. Dabei sollen Raumvorstellung und mögliche Funktion der spätantiken Straßenkarte diskutiert, dieRezeptionsgeschichte des Dokuments nachvollzogen sowie Entstehung und Überlieferung aus paläographischer, literatur- und sprachgeschichtlicher Sicht geprüft werden. Zur Einführung: K.Brodersen, Die Tabula Peutingeriana, in: Geschichtsdeutung auf alten Karten, ed.D.Unverhau, Wiesbaden 2003, p.289–297. Faksimile und Kommentar: E.Weber, Tabula Peutingeriana. Codex Vindobonensis 324, Graz 1976.





Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45            Beginn:14.X.            PD Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, Leipzig 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.


Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten

2st., Mi 11.15-12.45            Beginn:14.X.            PD Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV. Jahrhundert mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.






Exkursion (auch grundwissenschaftlich)


Handschriftenexkursion

Blockveranst.            Vorbespr.: Do 15.X.        11.15 Uhr            PD Licht

Für Teilnehmer an den paläographischen Übungen und alle Interessenten mit Vorwissen wird diese mehrtägige Exkursion an einen Ort mit bedeutender Handschriftensammlung angeboten. Ziel ist es, an den Originalen die paläographischen und kodikologischen Kenntnisse anzuwenden und zu vertiefen. Termine und Exkursionsort werden in der Vorbesprechung bekanntgegeben.



Übung


Colloquium Neolatinum: Historia in liturgia sive de lectionibus et responsoriis Breviarii Romani
2.st., Mi 16.15-17.45        Beginn: 14.X.        Dr.Schouwink

Excerpta patrum ecclesiasticorum et gesta martyrum confessorumque ab antiquissimis temporibus in liturgia diurnali commemorata tamquam amnis aequabilis ad aetatem nostram pervenerunt, notissima dumtaxat eis, qui officio ecclesiastico fungebantur. Annis recentioribus autem, Breviario sensui temporis adaptato, minui aut evanescere videntur. Tamen haec florilegia liturgice multoties repetita quasi fundamenta eruditionis attentionem nostram merentur. Lectionibus selectis, quae hoc colloquio disputandae sunt, praecedet breve exercitium in ordinario sive structura Breviarii Romani. Textus pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt.









Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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