Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2014/15



Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5)
statt.
Ausnahmen sind die Veranstaltungen zu Avitus von Vienne (kleiner Übungsraum am Seminar für Klassische Philologie) und der Lektürekurs 'Rezeption und Innovation' (Creuzer-Zimmer am Seminar für Klassische Philologie).


Oberseminar

Avitus von Vienne
2st., Do 18.00-19.30            Beginn: 16.X.            Prof.Berschin, PD Dr.Licht u.a.

Der Bischof Alcimus Ecdicius Avitus (er amtierte von ca. 494-518) hat im Burgunderreich eine bedeutende Rolle gespielt und wesentlich die Katholisierung der germanischen Invasoren vorangetrieben. Er hat – außer über 80 historisch wie sprachgeschichtlich wertvollen Briefen – ein biblisches Epos in Hexametern (Libelli de spiritalis historiae gestis quinque) verfasst, das zu den Höhepunkten der altchristlichen Bibeldichtung gehört. Literatur: Dieter Kartschoke, Bibeldichtung, München 1975; Uta Heil, Avitus von Vienne und die homöische Kirche der Burgunder, Berlin 2011 (=Patristische Texte und Studien 66).



Hauptseminar

Einführung in die lateinische Dichtung des Jesuitenordens

2st., Di 17.00-18.30            Beginn: 14.X.            Prof.Wiegand

Der Jesuitenorden brachte zahlreiche lateinische Dichter in ganz Europa hervor, darunter solche, die zu den herausragenden Dichtern ihres Landes im Barock zählen, in Deutschland etwa Jakob Balde (1604-1668) oder in Polen Maciej Kazimierz Sarbiewski (1595-1640). In dem Seminar werden die wichtigsten lateinischen Dichter der Societas Jesu mit ausgewählten lyrischen, elegischen und epischen Gedichten vorgestellt und interpretiert. Dadurch soll ein Einblick in einen verschollenen, weitgehend unbekannten Literaturkontinent ermöglicht werden, dessen Bedeutung für die Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit in Europa erst ansatzweise erforscht ist und näherer Untersuchung bedarf. Die besser erforschte dramatische Dichtung des Ordens wird zwar einbezogen, steht aber nicht im Zentrum.




Seminar/Übung

Einführung in die Chronologie: Sigebert von Gembloux, Liber decennalis
2st., Di 11.15-12.45            Beginn: 14.X.            PD Dr.Licht/Tobler M.A.

Im Kurs können Grundlagen der mittelalterlichen Chronologie und ihrer Geschichte erworben und vertieft werden. Nach einem einführenden Teil wird im Plenum der Liber decennalis des Sigebert von Gembloux (†1112) studiert und interpretiert. Daß sich dieser komputistische Lehrdialog erhalten hat, ist erst seit wenigen Jahren bekannt. Sigeberts Themen sind die allgemeinen Voraussetzungen der Komputistik, die Geschichte der Berechnung des Inkarnationsjahrs und die Richtigkeit der geltenden Zeitrechnung. Das Buch steht im Zusammenhang mit Sigeberts Arbeit an einer umfangreichen und in vielen Handschriften verbreiteten Weltchronik. Textgrundlage: Sigebert von Gembloux, Liber decennalis, ed. J.Wiesenbach, Weimar 1986 (=MGH. Quellen zur Geistesgeschichte des Mittelalters 12).

Lektüre

EPG II: Vom Berg Sinai ins Gelobte Land (Ex 19-40), erläutert
bei Hrabanus Maurus, Commentaria in Exodum

2st., Mo 11.15-12.45            Beginn: 13.X.          Dr.Köhler

Der zweite Teil des Buches Exodus schiebt sich als retardierendes Moment in die Geschichte der großen Wanderung. Sinn des Aufschubs ist die Gesetzgebung, welche die zwölf Stämme Israel erst zu einem Volk werden läßt, mit dem sich sein Gott ausdrücklich verbindet (sog. Bundesbuch). Außer den zehn Geboten, die allgemeine Gültigkeit beanspruchen können, enthält das Buch weitere Gesetze zum Zusammenleben der Menschen, dazu die Vorschriften zu Bau und Einrichtung der Stiftshütte, zu Opfern usw. Neben normativen Partien finden sich erzählende Texte, welche die Begegnungen Moses mit Gott und das Schwanken des Volkes zwischen dem Wunsch nach Rückkehr in die Gewißheit des Lebens in Ägypten und dem Vertrauen auf die Verheißung schildern. Der Abt des Klosters Fulda und Erzbischof von Mainz Hrabanus Maurus (†856) hat bei seiner Kommentierung die Autoren der lateinischen Väterzeit ausgewertet und bietet einen Querschnitt vom Verständnis dieser Vorgänge. Textgrundlage: Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem, Stuttgart 52007. Auszüge aus Bibel und Kommentar werden in Kopien zur Verfügung gestellt.


Rezeption und Innovation. Lateinische Literatur nach der Antike
2st., Di 9.15-10.45            Beginn: 14.X.            Göhler M.A./PD Dr.Licht

Aus Aneignung, Überbietung und Überwindung der antiken und spätantiken Autoren entstand in Mittelalter und Neuzeit eine umfangreiche und noch immer wenig bekannte lateinische Literatur. Im Lektürekurs sollen herausragende nachantike Autoren und Werke erschlossen werden, wobei die antiken Vorbilder 'mitzulesen' sind und eine Literaturgeschichte der Rezeptionspaare entwickelt werden soll: Sueton und Einhart, Vergil und Waltharius, Terenz und Hrotsvit von Gandersheim, Ovid und Hildebert von Lavardin, Petrarca und Cicero, Horaz und Sarbiewski. Dazwischen werden Stationen eigenständiger oder antiken Vorbildern entfremdeter Formen und Gattungen aufgesucht: liturgische Dichtung, Exegese, Exempel und Utopie. Der Lektürekurs versteht sich auch als Beitrag zur erweiterten oder alternativen Lektüre an den Schulen. Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.


Erstlektüre für Historiker: Thomas von Celano, Vita I S.Francisci
2st., Mo 16.15-17.45            Beginn: 13.X.            Dr.Otero Pereira

Bald nach dem Tod des Heiligen verfaßte Thomas von Celano im Jahr 1228 in päpstlichem Auftrag die erste Biographie des Franz von Assisi. Der Autor stützte seine Beschreibung auf eigene Erlebnisse und die Berichte der Franziskusschüler. Bei der Erzählung des Lebens vor der Bekehrung brach er mit den Konventionen und schilderte einen sündhaften und liederlichen, 'realistischen' Franziskus. Auch aus diesem Grund war die Vita bei den Franziskanern bald 'verboten', wurde gegen die Lebensbeschreibung aus der Feder des Bonaventura ausgetauscht und hat sich nur außerhalb des Ordens erhalten. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Legendae S. Francisci Assisiensis saeculis XIII et XIV conscriptae, ed.M.Bihl, Florenz 1926-1941 (=Analecta Franciscana 10), S.1-117.


Übung/Hauptseminar

Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45            Beginn:15.X.            PD Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, Leipzig 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.


Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten

2st., Mi 11.15-12.45            Beginn:15.X.            PD Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV. Jahrhundert mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.




Übung

Die Salemer Fragmentensammlung II

2st., Do 9.15-10.45            Beginn:16.X.            Dr.Fleischer

In diesem Wintersemester stehen die Fragmente Salemer und Petershausener Provenienz im Mittelpunkt, die in der Heidelberger Universitätsbibliothek aufbewahrt werden und aus den Inkunabeleinbänden gelöst wurden. Dabei handelt es sich um Pergament– und Papierhandschriften vom X. bis zum XV. Jahrhundert. Als Einbandmakulatur wurden verschiedene Texte überliefert: von antiken Autoren, deutschen Gebeten, über theologische und juristische Texte bis zu Wörterbüchern und Bücherverzeichnissen. Aus diesem Grund sind Interessierte verschiedener Fachrichtungen, Anfänger und Fortgeschrittene, die sich mit Originalen auseinandersetzen möchten, zu dieser Übung eingeladen. Einige Sitzungen werden im Handschriftenlesesaal der UB stattfinden.








Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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