Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wintersemester 2013/14



Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittelalters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Grabengasse 3-5) statt.

epistolae obscuri viri

Hauptseminar

Lateinische Satiren der Reformationszeit
2st., Di 17.00-18.30        Beginn: 15.X.        Prof.Wiegand

In der Zeit vor und während der Reformation wurde erstmals in Deutschland zwischen den religiösen Gruppierungen ein wirkungsvoller publizistischer Krieg ausgefochten. Unter den dabei veröffentlichten 'Flugschriften' spielen solche in lateinischer Sprache eine zentrale Rolle. Im Seminar wird es darum gehen, einige der wichtigsten und literarisch bedeutsamsten zu lesen und zu analysieren, darunter den Iulius exclusus e coelis (wohl von Erasmus von Rotterdam) und den Eccius dedolatus (wohl von Willibald Pirckheimer). Beschäftigen werden uns Fragen der literarischen Tradition, der Intertextualität, der satirischen Methode, des Stils und der Autorschaft.
Die Texte werden vom Seminarleiter in Kopie zur Verfügung gestellt.

Seminar

Editionstechnik: Bischofsleben zwischen Antike und Mittelalter.
Die Vita des Aredius von Gap (II)

2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 15.X.        Dr.Licht

Zu den unbeachteten Werken der frühmittelalterlichen Literatur gehört die Vita des Bischofs Aredius († ca.608) von Gap in der Provence. Ihre Überlieferung hing am seidenen Faden: Von dem Jesuiten Jacques Sirmond wurde der Text im Jahr 1608 transkribiert und im Jahr 1657 von Phillipe Labbe gedruckt. Das einzige bekannte Manuskript aus der Bibliothek des Klosters Souvigny ging früh verloren. Die Editoren der 'Acta Sanctorum' haben es bei ihrer Ausgabe von 1680 nicht konsultieren können, sondern den Text Sirmonds überarbeitet, zahlreiche Lesarten verworfen und eine bereinigte Fassung hergestellt, die noch immer Grundlage für die Beschäftigung mit der Vita ist. Das Seminar widmet sich der Rekonstruktion des zweiten Teils der Vita mit den verbesserten Mitteln der modernen Editionstechnik und führt in diese ein.
Zur Vorbereitung: P.Maas, Textkritik, Leipzig 41960.

latein sprache gregor der großeProseminar

Einführung in die lateinische Sprache des Mittelalters (mit Tutorium)
2st., Di 9.15-10.45        Beginn: 15.X.        Dr.Licht

Die Entwicklung der lateinischen Sprache von der Spätantike bis zur Frühen Neuzeit ist Gegenstand dieser Einführungsveranstaltung. Charakteristika der Epochen (Merowingerzeit, Klassik des XII. Jahrhunderts, Scholastik) werden anhand von Sprachzeugnissen (Inschriften, Biographie, Grammatiken) und Reflexionen über Sprache (Gregor der Große, Gunzo in St. Gallen, Lorenzo Valla) erarbeitet und illustriert, Nachschlagewerke, Hilfsmittel und einschlägige Studien zur mittellateinischen Sprachgeschichte vorgestellt und diskutiert. Zum Proseminar wird ein Tutorium angeboten.
Zur Vorbereitung: Walter Berschin, Einleitung in die Lateinische Philologie des Mittelalters, Heidelberg 2012, S.87-130.


Lektüre

Lectura Vulgatae: Israel in Ägypten (Ex 1-20), erläutert bei Hrabanus Maurus, Commentaria in Exodumhrabanus maurus
2st., Mo 11.15-12.45        Beginn: 14.X.        Dr.Köhler

Am Ende der Genesis lassen sich die zwölf Söhne Jakobs als Hungerflüchtlinge in Ägypten nieder, wo die Familien zu einem Volk heranwachsen, das sich nicht mit den Ägyptern vermischt. Die ägyptische Bevölkerung - so setzt das Buch Exodus ein - fühlt sich überfremdet und der Pharao versucht, durch Tötung der männlichen Neugeborenen ein Anwachsen des fremden Volkes zu verhindern. Moses wird gerettet und später zum Befreier und Gesetzgeber seines Volkes, und der erfolgreiche Auszug aus Ägypten wird das Selbstverständnis der Israeliten prägen. Angesichts der ethnischen Konflikte und Flüchtlingsströme unserer Zeit befremdet der Glaube an das Eingreifen Gottes zum schweren Schaden der Ägypter. Der Abt des Klosters Fulda und Erzbischof von Mainz, Hrabanus Maurus (†856) hat bei seiner Kommentierung die Autoren der lateinischen Väterzeit ausgewertet und bietet einen Querschnitt vom Verständnis dieser schwierigen Vorgänge.
Textgrundlage: Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem, Stuttgart 52007.
Auszüge aus Bibel und Kommentar werden in Kopien zur Verfügung gestellt.



Erstlektüre für Historiker: Jacob von Vitry, Historia occidentalis

2st., Mo 16.15-17.45        Beginn: 14.X.      Dr.Otero Pereira


Unter den Zeugen der geistlichen Reformbewegungen des XIII. Jahrhunderts ragt die Figur des Jakob von Vitry (†1240) heraus. Er predigte den Kreuzzug gegen die Albigenser, nahm am Fünften Kreuzzug teil, verbrachte Jahre als Bischof von Akkon und kehrte ins Abendland als Kardinalbischof von Tusculum zurück. Er mischte sich in das religiöse Leben seiner Zeit ein, tadelte den Verfall der Sitten unter dem Klerus und unterstütze die Anfänge neuer religiöser Lebensformen. Neben seinen mitreißenden Predigten, Exempla und Briefen verfaßte er die Vita der Begine Marie von Oignies und die Historia Hierosolimitana in zwei Büchern. Das erste Buch (Historia orientalis) gilt als wichtige Quelle zum Fünften Kreuzzug, das zweite Buch (Historia occidentalis) ist Gegenstand unserer Lektüre und zeichnet vom Abendland ein Bild zwischen Niedergang und Erneuerung in den religiösen Bewegungen der Zeit. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt.
Textgrundlage: The Historia occidentalis of Jacques de Vitry, hg. von J.F. Hinnebusch, Fribourg 1972.


paläographieÜbung/Hauptseminar

Paläographie II: «Nationalschriften» des frühen Mittelalters und karolingische Minuskel (für Anfänger)
2st., Mi 9.15-10.45        Beginn: 16.X.        Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen der wichtigsten Schriften des Frühmittelalters. Neu hinzukommende Teilnehmer werden gebeten, bis zum Beginn der Übung F.Steffens, Lateinische Paläographie, Leipzig 21929, tab. 12, 15, 17, 19, 20 und 24 nachzuarbeiten.


Paläographie IV: «Gotische» und «Humanistische» Schriftarten
2st., Mi 11.15-12.45        Beginn: 16.X.       Dr.Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schrift vom XII. bis zum XV. Jahrhundert mit einem Ausblick auf die moderne Schriftentwicklung. Interessenten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per e-mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.


Übung

Die Salemer Fragmentensammlung
2st., Do 9.15-10.45        Beginn: 17.X.      Dr.Fleischer

fragmente salem
Die Universitätsbibliothek verwahrt über 350 Fragmente, die aus den Bodenseeklöstern Salem
und Petershausen stammen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurde eine große Zahl von Pergamenthandschriften makuliert und zu Aktendeckeln verarbeitet. Dabei handelt es sich um Handschriften aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Spannbreite der überlieferten Texte reicht von Liturgica über Medizin, Theologie
bis zu Wörterbüchern. Interessierte verschiedener Fachrichtungen, Anfänger und Fortgeschrittene,
die sich mit Originalen auseinandersetzen möchten, sind zu dieser Übung eingeladen.
Einige Sitzungen werden im Lesesaal der UB stattfinden.



Colloquium Neolatinumjesuitenreduktion

De missione vel republica Paraquariae  (1606-1767) documentis Societatis Jesu illustrata

2st., Mi 16.15-17.45        Beginn: 16.X.      Dr.Schouwink

Studium rerum Americanarum iam coeptum continuabitur lectura de republica Iesuitica Paraquariae, quae tamquam refugium indigenarum duo per saecula solitudine felici florebat. Legemus relationes de instructione et vita quotidiana, de natura et moribus indigenarum, de invidia et hostilitate vicinorum, quae Litterae annuae provinciae Paraquariae Societatis Iesu (1642), Messis Paraquariensis (1649) et Historia de Abiponibus, equestri bellicosaque Paraquariae natione (1784) intitulantur. Textus pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt.












Nach der Zwischenprüfungsordnung des Romanischen Seminars kann statt des Übungsscheins in einer zweiten romanischen Sprache auch ein Übungsschein aus dem Fach Mittellatein vorgelegt werden. Benotete Scheine werden für erfolgreiche Teilnahme an den 2-stündigen Veranstaltungen ausgegeben. Nach Beschluß der Fachgruppenkonferenz Romanistik-Mittellatein vom 7.XII.1977 kann auch ein zweiter Schein aus dem Fach Mittellatein für das Romanistikstudium angerechnet werden.

Nach der Zwischenprüfungsordnung für das Fach Mittlere und Neuere Geschichte vom 20.III.2002 kann bei fehlendem Latinum in den Studiengängen Magister (Hauptfach) und Promotion ersatzweise eine Ergänzungsprüfung in Mittel- und Neulatein abgelegt werden. Diese Prüfung wird im Anschluß an mindestens 2 Lektürekurse, zu deren Besuch Grundkenntnisse in Latein erforderlich sind, auf der Grundlage einer Übersetzungsklausur (ca. 60 Min.) und einer mündlichen Prüfung (ca. 15 Min.) abgenommen. Die für das Studium erforderlichen Lateinkenntnisse werden vom Leiter des Lektürekurses bescheinigt, sofern sie mit mindestens "ausreichend" (4,0) benotet sind. Eine ähnliche Regelung gilt für Studenten der Europäischen Kunstgeschichte und der Musikwissenschaft. Auskunft erteilen die Fachberater an den Seminaren.

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