Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Sommersemester 2017


Alle Veranstaltungen der Lateinischen Philologie des Mittel­alters und der Neuzeit finden im Paläographieraum 027 (Graben­gasse 3-5) statt. Es gelten folgende Ausnahmen: Der Sommerkurs Paläographie wird im Übungsraum 1, die Erstlektüre für Historiker im Übungsraum 3 des Historischen Seminars abgehalten; Ort des Kirchenväterkolloquiums ist der kleine Übungsraum am Seminar für Klassische Philologie.


Oberseminar


Kirchenväterkolloquium: Walahfrid Strabo, De exordiis et incrementis
2st., Do 18.00-19.30         Beginn: 20.IV.     PD Dr. Licht et al.

Der karolingische Hofliterat und spätere Reichenauer Abt Walahfrid (†849) hat um 840 auf Anregung seines Förderers Reginbert, Leiter des Reichenauer Skriptoriums, die erste Geschichte der lateinischen Messe verfasst. Sie erklärt ihrem Titel gemäß aus den Ursprüngen (exordia) die Entwicklungen (incrementa) des Gottesdienstes und ist bis in die Neuzeit hinein die einzige historisch konzipierte, auf Quellen basierende, umfassende Erklärung der Liturgie mit Partien zum Altarverständnis, den Weihehandlungen, den liturgischen Geräten und Gewändern, den Teilen des Kirchenraums u.v.m. Es handelt sich um ein Stück innovativer karolingischer Exegese, dessen Lektüre und Interpretation sich im Kirchenväterkolloquium Vertreter der theologisch-historischen und philologi¬schen Disziplinen widmen werden. Alle Interessierten seien herzlich zur Teilnahme eingeladen; Texte werden zur Verfügung gestellt. Textgrundlage: Walafridi Strabonis libellus de exordiis et incrementis quarundam in observationibus ecclesiasticis rerum, ed. V.Krause, in: MGH. Capitularia II, Hannover 1897, p.473-516.

Hauptseminar

Keuchenius

Editionstechnik: Robertus Keuchenius, Deliciae Palatinae
2st., Di 16.00-17.30         Beginn: 18.IV.     Prof. Wiegand

1907 wurde in Heidelberg eine kostbare Handschrift aus der Zeit um 1670 versteigert, die Gedichte und Prosastücke zur Geschichte der Kurpfalz in lateinischer Sprache, dazu zahlreiche Abbildungen enthält. Diese Handschrift war einhundert Jahre lang verschollen und wurde 2015 wiederentdeckt. Sie befindet sich im Besitz des Mannheimer Altertumsvereins. Autor ist der Niederländer Robertus Keuchenius (1636-1673), zeitweilig Professor am Amsterdamer Athenaeum. Er war am Hof Kurfürst Karl Ludwigs tätig und beschreibt zumeist in poetischer Form wichtige Gebäude und Persönlichkeiten der Kurpfalz kurz vor dem Pfälzischen Erbfolgekrieg. Wegen der Zerstörungen in diesem Krieg (z. B. Heidelberg 1693) bilden seine poetischen descriptiones eine wichtige Quelle zur Geschichte der Region im XVI. und XVII. Jahrhundert. In dem Seminar wird es darum gehen, ausgewählte Stücke aus dieser Handschrift – besonders zum Heidelberger Raum – zu besprechen, zu übersetzen und erstmals zu publizieren. Die Texte werden vom Seminarleiter in Kopie zur Verfügung gestellt; das Original werden wir eingehend studieren.



Dichter der Karolingerzeit I: Sedulius Scottus, Carmina
2st., Mo 16.15-17.45         Beginn: 24.IV.     PD Dr. Licht

Die karolingischen Dichtungen des späten VIII. und gesamten neunten Jahrhunderts gehören zu den umfangreichsten und hochwertigsten poetischen Hinterlassenschaften des lateinischen Mittelalters. Im Seminar werden ausgewählte Stücke und Autoren gemeinsam gelesen, übersetzt und interpretiert. Besonderes Augenmerk gilt Fragen der Überlieferung, Sprache, Dichtungsform und des literarischen Hintergrunds.
Der gebürtige Ire Sedulius Scottus (†ca.870) lehrte und wirkte um die Jahrhundertmitte im intellektuellen Zentrum Lüttich. Von ihm sind Huldigungsgedichte und Grußadressen an die kaiserliche Familie und zahlreiche Bischöfe überliefert; gern widmete er sich dem Epigramm in Form der Aufschrift auf Kleidung, Altar, Haus, Kirchenwand und Buch. Seine Lebensspuren sind bis in die Handschriften hinein nachzuverfolgen und verlieren sich im letzten Drittel des Jahrhunderts in Mailand. Textgrundlage: Sedulii Scotti carmina, ed. J.Meyers, Turnhout 1991 (=Corpus Christianorum. Continuatio mediaevalis 117).

Proseminar/Lektüre


ThietmarEinführung in die lateinische Sprache und Literatur der Ottonenzeit
2st., Di 11.15-12.45        Beginn: 18.IV.     Wallenwein M.A.

Das 'dunkle Jahrhundert' (saeculum obscurum), wie es oftmals in Anlehnung an Caesar Baronius bezeichnet wird, ist die Epoche der Autoren Hrotsvit von Gandersheim, Thietmar von Merseburg und Widukind von Corvey. Anhand verschiedener Genera (Biographie, Epistolographie, Historiographie, Liturgische Dichtung) sollen in dieser einführenden Veranstaltung gemeinsam literarische Besonderheiten der Zeit erarbeitet, Entwicklungslinien und Kontinuitäten von den späten Karolingern bis ins XI. Jahrhundert aufgezeigt und nachgezeichnet werden. Welche Charakteristika der Sprachstil der Epoche aufweist, können autographe und autobiographische Zeugnisse beantworten. Nachschlagewerke, Hilfsmittel und einschlägige Studien zur mittellateinischen Literatur- und Sprachgeschichte werden im Laufe des Semesters vorgestellt, angewandt und diskutiert. Zum Proseminar wird ein Tutorium angeboten. P.C.Jacobsen, Die lateinische Literatur der ottonischen und frühsalischen Zeit, in: Neues Handbuch der Literaturwissenschaft VI, Wiesbaden 1985, S. 437-478.

Tutorium zum Proseminar
2st., Mo 14.15-15.45        Beginn: 24.IV.     Büge B.A.

Lektüre


HrabanusEPG II / Lectura Vulgatae: Liber Sapientiae

2st., Mo 11.15-12.45        Beginn: 24.IV.     Dr. Köhler


Die Weisheitsliteratur im Alten Testament besteht im Kern aus den drei Büchern Salomos (Proverbia, Ecclesiastes, Canticum Canticorum), an die sich zwei weitere Weisheitsbücher angelagert haben, der Liber Sapientiae und der Liber Iesu filii Sirach. Das Buch der Weisheit kann nicht, wie schon Hieronymus (†419/20) bemerkt hat, von Salomo verfaßt sein, weil es ursprünglich in Griechisch, nicht in Hebräisch geschrieben ist. Es ist in hellenistischer Zeit wahrscheinlich in Alexandrien entstanden, wo es eine große jüdische Gemeinde gab. Der Inhalt vereint jüdische Tradition mit griechisch-hellenistischer Philosophie, nach der die Weisheit als eine Hervorbringung des Höchsten gilt. Sie wird später auf Christus gedeutet, der als Sapientia Dei gedacht wird. Diese Deutung ist Hrabanus Maurus (†856) vertraut, dessen Kommentar eigene Gedanken mit einer Fülle von Bibel- und Kirchenväterzitaten sowie antiken Exempla verbindet. Textgrundlage: Biblia Sacra iuxta Vulgatam versionem, Stuttgart 52007; der Kommentar des Hrabanus Maurus nach Migne PL 109, col.671-762. Alle zu lesenden Texte werden in Kopie zur Verfügung gestellt.


HeisterbachErstlektüre für Historiker: Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum
2st., Mo 18.15-19.45        Beginn: 14.IV. Dr. Otero Pereira

Caesarius von Heisterbach († nach 1240) war Prior des gleichnamigen Zisterzienserklosters. Sein Gesamtwerk umfasst Historisches (Continuatio catalogi archiepiscoporum Coloniensium), Heiligenleben (Vita, passio et miracula Engelberti Coloniensis archiepiscopi; Vita S. Elysabeth lantgraviae) und Wundergeschichten (Libri VIII miraculorum; Dialogus miraculorum). In seinem Dialogus miraculorum, dem «Gespräch über Wunder», beantwortet ein Mönch Fragen eines Novizen: Anhand von Exempeln und geistreich-witzigen Anekdoten werden der Eintritt ins Kloster, Reue, Beichte, Visionen, Wunder und vieles mehr erläutert. Caesarius stützte sich nicht nur auf literarische Quellen, sondern bezog auch mündliche Erzählungen ein. Der Dialogus miraculorum ist eine wertvolle Quelle für die Mentalitäts- und Kulturgeschichte seiner Zeit. Der Lektürekurs wendet sich an Anfänger mit wenig Lektüreerfahrung. Der Text wird im Plenum gelesen und übersetzt. Textgrundlage: Caesarius von Heisterbach: Dialogus miraculorum, ed. J.Strange, Köln u.a. 1851.

Übung/Hauptseminar




VPaläographie I: Von den spätantiken Majuskelschriften zur karolingischen Minuskel (für Anfänger)

2st., Mi 9.15-10.45              Beginn: 19.IV.     PD Dr. Licht

Die Übung führt in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen spätantiker und frühmittelalterlicher lateinischer Schriften anhand von digitalen Handschriftenabbildungen und Kopien aus Tafelwerken ein.


Paläographie III: Von der karolingischen Minuskel zu den gotischen Schriftarten
2st., Mi 11.15-12.45        Beginn: 19.IV.     PD Dr. Licht

Einführung in das Lesen, Beschreiben und Bestimmen lateinischer Schriften vom X. bis XIII. Jahrhundert. Interes­senten ohne Vorkenntnisse möchten sich bitte per E-Mail (tlicht@ix.urz.uni-heidelberg.de) anmelden.

Blockveranstaltung

Sommerkurs Paläographie: Lateinische Schrift
9.15-17.45              04.IX.-15.IX.     PD Dr. Licht et al.
 
Gegenstand des Kurses ist die lateinische Schrift (vom Anfang bis ins XX. Jahrhundert) und die Vermittlung ihrer Grundlagen. Fragen zur Schriftgeschichte werden mit traditionellen und modernen Ansätzen diskutiert. Die Teilnehmer erwerben Datierungs- und Lokalisierungssicherheit und eine Lesekompetenz, die zwei Jahrtausende Schriftlichkeit umfasst. Hauptorganisationsform ist die Übung: Einzelne Schrifttafeln werden gemeinsam gelesen, Ergebnisse im Plenum gesichert und methodische Ansätze samt Forschungsliteratur besprochen. Flankiert wird die Übung durch Veranstaltungen, in denen Sonderthemen der Paläographie und neuere Forschungserträge vorgestellt werden.

Colloquium Neolatinum


Joseph Emmanuel Peramasius S.J., De invento novo orbe
2st., Mi 16.15-17.45        Beginn: 19.IV.     Dr. Schouwink

Terra nova retecta poetae docti exempla auctorum Romanorum secuti crebro res gestas Columbi heroico versu canebant. Quinque huiusmodi operibus iam notis nuper sextum 'De invento novo orbe' addendum fuit, quod a Josepho Emmanuele Peramasio (1732-93) S.J. confectum Maya Feile Tomes Cantabrigiae a.2015 in lucem protulit. Hoc carmine fontes contemporaneos aperire et errores quosdam corrigere studuit auctor. Cultum divinum novis terris propagatum ei maximi momenti esse videtur. Descriptione scuti, in quo catervae Columbi mappa Americae apparet futurae, libellum conclusit. Textus pretio modico in Seminarii aedibus acquiri poterunt. Venite, tollite, legite!




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